Die Borkenkäfersituation 2011/2012
Befallssituation:

Borkenkäfer In diesem Jahr kam es in den Fichtenwäldern und Privatgärten über ganz Bayern verteilt zu auffälligen Befallsbildern durch Borkenkäfer. Während sonst der Buchdrucker der gefürchteste Schädling im Fichtenwald ist, wurde 2010 dieser Stehendbefall vorwiegend durch den Kupferstecher ausgelöst. Der Kupferstecher befällt normalerweise Jungfichten bzw. schwächere Resthölzer wie Gipfelstücke und Äste, die im Wald belassen werden. Er kann Brutmaterial ab 3 cm Durchmesser erfolgreich zur Vermehrung nutzen. Bei ausreichendem Brutraumangebot kann die Kupferstecherpopulation hohe Dichten aufbauen und ist dann auch zum Befall stehender Bäume befähigt. Angriffspunkt ist dabei der Kronenraum. Diese Situation liegt derzeit vor. Die vielerorts auffällig hohen Kupferstecherfänge in Lockstoff-Fallen im Frühjahr 2010 (gegenüber 2009 bis zu 10-fach erhöhte Anflugzahlen) zeigten die enorme Dichteerhöhung dieses Borkenkäfers an.
Buchdrucker
Borkenkäfer Buchdruckerlarven

Buchdruckerlarven
Frassgänge

Fraßgänge
Kupferstecher
Kupferstecher
Erhöhte Aufmerksamkeit ist nun geboten: Der Buchdrucker war in der ersten Schwärmwelle 2003 nur in niedriger bis mittlerer Dichte vertreten, konnte sich aber durch den vom Kupferstecher erschlossenen zusätzlichen Brutraum aufbauen. Es kam von den Kupferstecher-Befallsnestern aus zur Ausweitung der Befallsherde durch Buchdrucker.

Borkenkäfervermehrung 2010

2010 herrschten sehr günstige Bedingungen für Borkenkäfer. Die heiße und trockene Witterung über große Teile der Vegetationsperiode hatte folgende Konsequenzen:

• günstige Schwärm- und Befallsbedingungen im Frühjahr (Ende April/Anfang Mai)
• rasche und effektive Vermehrung: die Entwicklung der Brut ging sehr schnell vonstatten
  (maximal 6 Wochen für 1 Generation)
• Neubefall (Stehendbefall) wurde erleichtert durch die Schwächung der Fichte aufgrund
  der Trockenheit

So kam es zu Entwicklung und Ausflug von 2 Jungkäfergenerationen sowie Anlage einer 3. Nachkommensgeneration. Diese verbleibt jetzt zur Überwinterung in den Brutstämmen und stellt das Angriffspotenzial für 2009 dar. Daneben wurden noch mindestens 2 Geschwistergenerationen produziert.

Befallsdiagnose

Wichtig ist eine möglichst frühe Erkennung von Befallsherden.


Buchdruckerlarven Beim Buchdrucker erfolgt dies am zuverlässigsten durch die Bohrmehlsuche (brauner Bohrmehlauswurf beim Einbohren sammelt sich am Stammfuß, in Rindenschuppen oder Spinnweben, s. Abbildung). Die Bohrmehlsuche muss bei trockener Witterung erfolgen, im Frühjahr ab der letzten Aprilwoche, danach regelmäßig (max. 4-wöchige Abstände). Befall tritt schon in den ersten Schwärmtagen auf und ist dann am besten erkennbar. Andere Symptome wie Harzfluss am Kronenansatz können auf Käferbefall hindeuten, sind aber nicht zuverlässig. Eine Früherkennung von Kupferstecherbefall ist kaum möglich. Bohrmehlsuche ist hier nicht erfolgreich.

Rotfärbung der Krone oder Abfallen noch grüner Nadeln zeigt sich meist erst, wenn das Befallsgeschehen abgeschlossen und die Jungkäfer bereits ausgeflogen sind. Hauptaugenmerk bei der Befallskontrolle gilt also dem Buchdrucker. Regelmäßige Befallskontrolle ist besonders wichtig im Bereich vorjähriger Befallsorte, an Windwurfnestern und an süd-/südwest-exponierten Rändern. Fallenfänge zeigen, dass Borkenkäfer erhöhte Anflugaktivität an sonnenbestrahlte Objekte zeigen (4-5 x höhere Fangzahlen in südexponierten Pheromonfallen). Dies spiegelt sich auch im Befallsverhalten bei Stehendbefall wieder: oft werden besonnte Randbäume mit Süd-/ Südwestposition zuerst befallen.
Handlungsempfehlungen

Anfang/Mitte September ist die Befallsaktivität von Buchdrucker und Kupferstecher abgeschlossen. Altkäfer des Kupferstechers ziehen sich zur Überwinterung vorwiegend in die Bodenstreu zurück. Buchdrucker überwintern als Käfer in Brutholz bzw. im Boden. Die Bekämpfung konzentriert sich nur auf Brutstadien und nicht fertig entwickelte Jungkäfer, die in den Brutbäumen überwintern.

Bekämpfungsaktivitäten Herbst/Winter:
für diese Maßnahmen steht der Zeitraum bis März 2011/12zur Verfügung.

• Käferbäume aufspüren und markieren.
• Einschlag

   • Entfernung des Materials aus dem Wald (500 m).
   • Entrindung.
   • oder Insektizideinsatz mit für Borkenkäferbekämpfung zugelassenen
     Präparaten (Polterspritzung).

      • nur wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
      • nicht vor Frühjahr 2011 (Wirkstoffe abgebaut innerhalb 24 Wochen).

Wichtig ist die Vernichtung auch von Ästen und Gipfelstücken (Mulchen, Häckseln, Verbrennen), da durch sie Vermehrung des Kupferstechers weiter gefördert wird. Erfahrungen aus Untersuchungen haben gezeigt, dass Material aus Herbsteinschlag auch noch im Frühjahr durch Kupferstecher als Brutmaterial genutzt werden kann.

Maßnahmen im Frühjahr / Herbst 2011:


• mit Schwärmbeginn (i. d. R. letzte Aprilwoche) regelmäßige Bohrmehlkontrolle
  (vor allem Befallsbereiche 2009, Windwurflöcher, südexponierte Bestandesränder).
• in kritischen Bereichen evtl. Einsatz von Lockstoff-Fallen; man erhält dadurch
  Informationen über Schwärmbeginn, Ausgangsdichte und Erfolg der
  Bekämpfungsmaßnahmen im Herbst/Winter.

Die Aufarbeitung befallener Bäume sollte möglichst schnell (noch vor Ausflug der Elternkäfer zur Anlage einer Geschwisterbrut) bzw. spätestens 4 Wochen nach Befall - also vor Ausschwärmen der Jungkäfer - erfolgen.

Ausblick 2012

Erfahrungsgemäß dauern Kupferstecher-Massenvermehrungen nur 1 bis max. 2 Jahre an.
Aber: der durch den Kupferstecher erschlossene Brutraum diente als Starthilfe für eine verstärkte Buchdruckervermehrung. Ein Aufbau der Buchdruckerpopulation deutet sich bereits in Form seiner vermehrten Beteiligung am Stehendbefall in der 2. Schwärmwelle 2011 an.

ES BESTEHT KEIN ANLASS ZUR PANIK,
JEDOCH SIND ERHÖHTE AUFMERKSAMKEIT
UND VERMEHRTER KONTROLLAUFWAND ANGEZEIGT
.

Hilfestellungen:

 Ihr Gartenfachbetrieb.
• Internetseite der Firma Landschaftsbau-Oberland
    www.landschaftsbau-oberland.de
• Unterstützung und Beratung durch Forstämter und Landesanstalt
    für Wald und Forstwirtschaft.


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